MiniSail-Reeperbahn – ein Baubericht
Auf unserem Minisail-Stand bei der Intermodellbau Dortmund haben wir regelmäßig auch „unsere“ Reeperbahn aufgebaut. Für viele Besucher bedeutet allein schon die Erklärung des Namens „Reeperbahn“ ein „Aha“-Erlebnis:
Ursprünglich hat eine Reeperbahn nichts mit der Vergnügungsmeile in Hamburg zu tun – sondern: (die meisten Minsailer wissen das natürlich …) die Reeperbahn in Hamburg (wie auch Straßen gleichen Namens in anderen Städten) ist eine Straße, wo (Segel-)Schiffstaue hergestellt wurden. Die Seil-Dreh-Mechanik war am Anfang der Straße aufgebaut („Kopfstück“ oder auch „Seiler-Rad“). Am Ende der Straße wurde das fertig gedrehte Seil festgehalten (mit dem sog. „Schlitten“). Die gedrehten („geschlagenen“) Seile konnten naturgemäß immer nur so lang sein wie die Straße. Von daher ist die Reeperbahn immer eine möglichst lange, („schnur“-)gerade Straße. „Reep“ bedeutet in der norddeutschen (Seemanns-)Sprache übrigens nichts anderes als „Seil“ oder „Tau“ (vgl. z.B. englisch „rope“ – „Seil“).
Besonders freuen sich die Intermodellbau-Besucher / Kinder, wenn wir ihnen ein kleines Schmuck-Band in Wunsch-Farben drehen – meistens sind das die Farben ihres Lieblings-(Fußball)-Vereins, das sie sich dann oft um den Arm binden. Dazu passt übrigens gut, dass das Wort „Reep“ und das deutsche Wort „Reif(en)“ („Arm-Reif“) sprachgeschichtlich ebenfalls miteinander verwandt sind …
Bisher bin ich immer, wenn wieder „Intermodellbau“ war, zu unserm Mitglied Willi an den Niederrhein gefahren, um die Reeperbahn auszuleihen. Beim letzten Mal sagte er dann singemäß zu mir: Warum probierst Du nicht mal, selber eine Reeperbahn zu bauen – dann brauchst Du nicht immer fast 300 km zu fahren zum Abholen und Zurückbringen …
Und so hab ich mich mal an die Arbeit gemacht …
In meiner Bastelkiste fand ich noch ein paar passende Zahnräder, Schraub-Haken (Bild 1 und 2), Alu-Bleche und einen Akkuschrauber-Motor. Im Baumarkt besorgte ich mir ein Stück 4mm dickes Acrylglas, ein Abfall-Brett ca. 200 x 40 cm, einige Meter Kabelführungs-“Rohre“ von ca. 1cm x 1cm qudratischen Querschnitts. In einem 1-Euro-Laden besorgte ich mir noch ein kleines Spielzeug-Auto. Alles in allem nicht viel mehr als 20,- Euros …
Hier nun mein kleiner „Baubericht“:
Das (feststehende) Kopfstück: Das Seilerrad:
Zunächst werden zwei Alu-Bleche mit (möglichst) identischen Bohrungen für die Zahnräder angefertigt (Bild 3). Die Platten werden in entsprechendem Abstand zusammengeschraubt, so dass dazwischen sich die Zahnräder drehen können. Das Ganze ist als „Planetengetriebe“ angeordnet: ein größeres Zahnrad in der Mitte, das die drei etwas kleineren „Planeten-“Zahnräder antreibt.
Deren Achsen bilden an ihren Enden jeweils einen Haken. In die Haken werden später die einzelnen Seil-Stränge (Kardeele) eingehängt, die dann in sich selber verdrillt werden und sich zu einem Gesamt-“Reep“ zusammendrehen. Das mittlere, größere Zahnrad wird durch den Akkuschraubermotor angetrieben (Bild 4). Diese Mechanik bildet das eine Ende der Reeperbahn.
Das andere Ende der Reeperbahn, der „Schlitten“, ist ein auf „Kufen“ rutsch-fähiger „Klotz“. An ihm ist ein frei drehbarer Haken angebracht (Karabiner-Wirbel aus dem Angel-Zubehör) (Bild 5 und 6). An diesen Haken wird das jeweils andere Ende der (sich verdrillenden) Seil-Stränge (Kardeele) eingehängt. Durch die Verdrillung der Einzel-Seilstränge wird der Schlitten etwa 10-15 % nach vorne „rutschen“.
Zwischen der Verdrill-Mechanik und dem Schlitten fährt ein kleiner Wagen, auf dem eine Akrylglas-Scheibe mit drei sternförmig angeordneten Einschnitten angebracht ist (Bild 7). Bei einer historischen Reeperbahn ist die Akrylglasscheibe das sog. „Leitholz“ auf dem Leitholzwagen. Durch diese Einschnitte laufen bei der Seilproduktion die einzelnen Kardeele
Bild 22: Zwei verschiedene Schlag (Drill-)Richtungen:
Links das schwarz-gelbe: Z-Schlag; rechts das schwarz-rot-“goldene“: S-Schlag
Die Bezeichnung S-Schlag und Z-Schlag für die Drillrichtung ergibt sich aus dem „Mittelteil“ der Buchstaben Z und S: Wenn das Seil vor mir liegt, dann laufen beim Z-Schlag die Kardeele von rechts oben nach links unten (das ist dann die Drehrichtung „rechts herum“), beim S-Schlag laufen sie von links oben nach rechts unten (das ist die Drehrichtung „links herum“).
Man kann auch Seile mit einer „Seele“ drehen. Dabei drillen sich die einzelnen Stränge (Kardeele) im einen unverdrillten Mittel-Faden („Seele“) herum. Das verleiht dem Seil mehr Stabilität, - ist allerdings etwas komplizierter – und für Modellbau-Seile, da, wo es mehr um die Optik geht, eigentlich nicht so sehr von Bedeutung …
Bild 23: – der Schlitten, an dessen Rückwand sich ein drehbarer „Hohl-Haken“ befindet, wird entsprechend herumgedreht. Die Seele wird durch das hohle Rohr geführt (Bild 24) und an der gegenüberliegenden Schlittenwand befestigt. An das Rohr sind drei „Ankerhaken“ angelötet. Das Rohr dreht sich infolge die sich verdrillenden Kardeele, während die „Seele“ sich nicht mit dreht. Die Kardeele sind symmetrisch um die Mittelseele eingehakt.
Bild 27 und 28: Da der Schlitten durch die Verdrillung nach vorne rutscht, die Seele aber nicht verdrillt wird, würde sie nach und nach durch die Verkürzung der Reep-Strecke „durchhängen“. Damit sie straff gespannt bleibt wird sie durch ein Rohr an der Kopfseite geführt und durch ein Gewicht, das nach unten zieht („Hammer“), auf Spannung gehalten
… So, das war mein Bericht … Dortmund kann kommen ….
Minisail Ahoi! - Uli Schramm
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